Zitadelle: Institut für Völkerpädagogik (Zitadellenweg)

[Bild: Stadtarchiv Mainz]

Im Mai 1931 wurde in der Zitadelle auf Initiative von Schulrat Franz Joseph Niemann das "Institut für Völkerpädagogik" eröffnet. Mit finanzieller Unterstützung des Reiches, des Landes Hessen und der Stadt Mainz wurden pädagogische Konzepte, Erfahrungen und moderne Schulmodelle aus verschiedenen Ländern in Ausstellungen präsentiert und diskutiert. Eine angegliederte Tagungsstätte bot Lehrern aus dem In- und Ausland einen Ort zur Begegnung und Weiterbildung.

Ein Institut für vergleichende Erziehungswissenschaft, das Offenheit gegenüber anderen Kulturen vermittelte, musste den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge sein. Niemann versuchte zunächst, seine Einrichtung zu retten, indem er sich den Nationalsozialisten annäherte. Seine Entlassung noch im Jahr 1933 vermochte er damit jedoch nicht zu verhindern. Im September 1935 verließ er Deutschland und emigrierte in die USA.

Das völkerpädagogische Institut wurde in die "Rhein-Mainische Stätte für Erziehung" umgewandelt. Diese konzentrierte sich fortan ganz auf die "rassenpolitische Schulung" von Lehrern aus dem gesamten Reich. Ende 1936 wurde die Einrichtung schließlich geschlossen. Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in die Stadt im selben Jahr erhielt die Zitadelle ihre ursprüngliche Funktion als Kaserne zurück.

Geändert: 14.12.2016

Korrektur durch Dominik Kasper