Hinweise

Literaturtipps:

Pierre Cordier: Als Zwangsarbeiter in der Schiffswerft Mainz-Gustavsburg 1943-1945

Sonderheft der Mainzer Geschichtsblätter, herausgegeben vom Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V. Erschienen Dezember 2005 in Mainz. Herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Hedwig Brüchert. 93 Seiten, mehrere Abbildungen, ISSN-Nr. 1435-8026, Preis: 6,00 Euro. Bezug über den Buchhandel oder den Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V.


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Zwangsarbeit

Mit Beginn des Krieges wurden ab 1939 neben Kriegsgefangenen auch zivile Arbeitskräfte unter Zwang ins Reichsgebiet verbracht, die in allen Arbeitsbereichen eingesetzt wurden. In den Mainzer Vororten und Umlandgemeinden bekamen die landwirtschaftlichen Betriebe vom Arbeitsamt Hilfskräfte zugewiesen, die schon bald zum normalen Erscheinungsbild in den Dörfern gehörten. Sie mussten an der Kleidung eine Kennzeichnung, Polen zum Beispiel ein „P“, tragen und wurden vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Vergehen wurden drastisch bestraft. So wurde in Mainz-Gonsenheim 1942 ein polnischer Landarbeiter wegen Umgangs mit einem deutschen Mädchen von der Gestapo erhängt.

Eine Liste, angefertigt am 1. April 1943, weist für den Kreis Mainz 48 Lager aus, davon für die Stadt Mainz 43. Die Zahl der ausländischen Arbeiter in diesen Lagern betrug nahezu 3.000 (2.116 Männer, 825 Frauen), wobei allerdings die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte, die bei den Bauern wohnten, sowie die bei ihren Arbeitgebern untergebrachten Haushaltshilfen oder Hilfskräfte in Geschäften und Handwerksbetrieben nicht aufgeführt sind.

Ein großer Teil der Mainzer Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen arbeitete in Fabriken bzw. bei kommunalen oder Staatsbetrieben, wie etwa der Reichsbahn. Das größte Lager in Mainz bestand in der M.A.N.-Fabrik in Mainz-Gustavsburg mit 1067 Insassen mit verschiedensten Nationalitäten.

Besonders "Ostarbeiter" und "Ostarbeiterinnen" wurden in Betrieben bereits wegen kleiner „Vergehen“ von der Firmenleitung der Gestapo gemeldet, worauf Bestrafungen erfolgten. Eine Reihe von ausländischen Zwangsarbeitern mussten diese in sog. Polizeihaftlagern und anderen Straflagern verbüßen. In Mainz existierten zeitweise zwei Außenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert: eines davon auf dem Flugplatz in Finthen, das andere zunächst auf dem Gelände des Zementwerks Weisenau, bevor es auf die Ingelheimer Aue auf das Nachbargrundstück zum Pfleiderer-Werk verlegt wurde („Lager Rhein“).

Im Jahr 1951 wurden rund 3.000 während des Krieges im Gebiet der südlichen Teile des heutigen Landes Rheinland-Pfalz gestorbene Männer, Frauen und Kinder aus der Sowjetunion in ein Ehrenfeld auf dem Mainz-Mombacher Waldfriedhof umgebettet.

Weiterführendes zum Thema:

Hedwig Brüchert: Ausländische Zwangsarbeiter in Mainz während des Zweiten Weltkrieges [pdf-Dokument, ohne Abbildungen]. Vortrag gehalten am 14. April 2008 im Rahmen der Vortragsreihe des Mainzer Altertumsvereins zur Begleitung der Ausstellung "Mainz im nationalsozialismus 1933-1945. Terror und Alltag" des Stadtarchives Mainz.