Industriegebiet Ingelheimer Aue: Zwangsarbeiterlager in Mainz (Betonplattenwerk Dr. Ing. Eugen Pfleiderer, Gassneralee)

1943 bestanden auf dem Gebiet der Stadt Mainz 42 Lager, in denen insgesamt mehr als 3.400 ausländische Zwangsarbeitskräfte untergebracht waren. Die meisten von ihnen waren Zivilarbeiter, im damaligen Sprachgebrauch "Fremdarbeiter" genannt.

Die Franzosen waren mit Abstand die am stärksten vertretene Nationalität. Fast ein Drittel von ihnen waren Kriegsgefangene. Die zweitgrößte Gruppe stellten Arbeitskräfte aus der Sowjetunion dar. Daneben leisteten u.a. auch Belgier, Holländer, Italiener und Polen Zwangsarbeit in Mainz.

Größere Betriebe richteten eigene "Fremdarbeiter"-Lager auf dem Werksgelände ein. Daneben gab es eine Anzahl kleinerer Lager, in denen oft weniger als zwanzig Personen lebten. Listen der "Deutschen Arbeitsfront" aus den Jahren 1942 und 1943, die sich erhalten haben, führen nüchtern die Zahl der Zwangsarbeiter, ihre Geschlechtszugehörigkeit und ihre Nationalität auf. Über die harten Arbeits- und Lebensbedingungen, denen diese meist ausgesetzt waren, schweigen die Dokumente.

Im Industriegebiet auf der Ingelheimer Aue gab es mehrere Lager für ausländische Arbeiter. Das größte befand sich auf dem Gelände des Betonplattenwerks Dr. Ing. Eugen Pfleiderer (32a). Hier lebten und arbeiteten 302 ausländische Arbeitskräfte, die meisten von ihnen "Ostarbeiter" (218, davon 121 Frauen).

Auch bei den Blendax-Werken (32b), der Firma Erdal (32c), der Firma Holz-Gerster (32d), den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden (32e) und anderen waren Zwangsarbeitskräfte beschäftigt, ebenso bei der Westwaggon AG im benachbarten Mainz-Mombach (32f). Auch in den übrigen Mainzer Industriegebieten befanden sich Zwangsarbeiterlager. Es haben sich jedoch kaum Spuren erhalten. Einige der größten Lager befanden sich in den damaligen rechtsrheinischen Mainzer Stadtteilen Amöneburg, Kastel, Kostheim, Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim:

·    Chemische Werke Albert, Mainz-Amöneburg (32g): Insgesamt arbeiteten hier 441 Ausländer, von denen 118 weiblich waren. Die größte Gruppe bildeten 131 Belgier.

·    Gesellschaft für Linde‘s Eismaschinen AG., Mainz-Kostheim (32h): hier waren 118 männliche Zivilarbeiter und 85 französische Kriegsgefangene beschäftigt.

·    Im Lager der M.A.N. Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG., Mainz-Gustavsburg (32i) waren 1.069 ausländische Arbe:iter untergebracht, darunter 500 "Ostarbeiter". 177 der Zivilarbeitskräfte waren weiblich.

·    Schiffswerft und Maschinenfabrik Mainz-Gustavs­burg GmbH (32j): Hier waren 79 Zwangsarbeiter beschäftigt und einquartiert (davon nur 2 Frauen). Die größte Gruppe stellten die Franzosen mit 28 Arbeitern.

·    Auch die Deutsche Reichsbahn beschäftigte im Bereich der Stadt Mainz rund 350 ausländische Arbeitskräfte, die in verschiedenen Lagern untergebracht waren. Das größte Lager für über 200 Personen befand sich bei der Bahnmeisterei Mainz-Bischofsheim (32k), einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt der Region. Doch auch im Mainzer Güterbahnhof in der Mombacher Straße waren ausländische Arbeiter eingesetzt (32l).