Stadthaus: Ende der kommunalen Selbstverwaltung (Stadthausstraße 18-20)

Der Sitzungssaal des Mainzer Stadthauses

Nachdem die Reichstagswahl vom 5. März 1933 der NSDAP nicht die gewünschte absolute Mehrheit gebracht hatte, versuchten die Nationalsozialisten durch Terror und mit Hilfe der "Gleichschaltung" der Länder, Kommunen und Institutionen ihre Machtgrundlage auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens auszudehnen. In Hessen übernahmen sie am darauffolgenden Tag die Macht. Am 7. März besetzten SA-Truppen auch das Mainzer Stadthaus. Gegen den Protest von Oberbürgermeister Dr. Ehrhard wurde von den Nationalsozialisten auf dem Gebäude die Hakenkreuzflagge gehisst. Noch am selben Tag ging die Polizeigewalt in Mainz an den Staatskommissar für das Polizeiwesen in Hessen, den in Mainz geborenen und schon früh der "völkischen Bewegung" angehörenden  Juristen Dr. Werner Best, über.

Wilhelm Ehrhard, Bürgermeister 1931-1933

Am 22. März wurde Dr. Ehrhard von den Nazis abgesetzt, das Amt wurde kommissarisch dem Parteimitglied Wilhelm Jung übertragen. Er verfügte am 31. März die Umbenennung  zahlreicher Straßen,  z.B. des Halleplatzes in Adolf-Hitler-Platz, des Bebelrings in Kaiser-Wilhelm-Ring und der Forsterstraße in Horst-Wessel-Straße.

Die neuen Machthaber lösten den Stadtrat auf und besetzten ihn entsprechend der Ergebnisse der Reichstagswahl vom 5. März 1933 neu. Aus taktischen Gründen verschoben die Nationalsozialisten jedoch die konstituierende Sitzung immer wieder bis zum Verbot der SPD am 22. Juni 1933. Erst dann besaß die NSDAP die absolute Mehrheit. Als politisches Entscheidungsgremium spielte der Stadtrat in der  Folgezeit keine Rolle mehr. Die kommunale Selbstverwaltung war außer Kraft gesetzt.

Gauleiter Sprenger am Rednerpult vor der Ruine des Stadthauses 1942; links Reichsinnenminister Frick

Das Stadthaus wurde 1942 bei einem Bombenangriff zerstört.