Kaufhof: Kaufhaus Tietz - Arisierungen (Schusterstraße 41-45)

An der Stelle des heutigen Kaufhofes befand sich bis zur "Arisierung" das Warenhaus Tietz, eine Filiale der bekannten Leonhard Tietz AG. Bereits 1933 wurden die jüdischen Vorstandsmitglieder aus dem Unternehmen gedrängt. Gleichzeitig wurde die Gesellschaft in Westdeutsche Kaufhof AG umbenannt. Das Mainzer Kaufhaus wurde im August 1942 bei einem Luftangriff zerstört.

In Mainz gab es ca. 330 Unternehmen in jüdischem Besitz. 46% der Anfang 1933 in Mainz lebenden rund 2.600 Juden (ca. 2,5% der Stadtbevölkerung) waren selbstständig. Neben Leonhard Tietz, dem Kaufhaus Lahnstein, Stubs Quelle, dem Textilgeschäft Gebrüder Hamburg und dem Möbelhaus Epstein spielten u.a. das Bankhaus Kronenberger, die Herrenkleiderfabrik Scheuer & Plaut, das Seidenhaus Frank und die Sonnenbrauerei eine wichtige Rolle im geschäftlichen Leben der Stadt.

Der reichsweite Boykott von Geschäften jüdischer Inhaber, jüdischen Rechtanwälten und Ärzten am 1. April 1933 bildete den Auftakt zur Verdrängung von Juden aus dem Wirtschaftsleben. In Mainz hatte die SA auch im März schon einen Boykott-Tag organisiert. Infolge der konsequenten „Arisierungspolitik" wurden die jüdischen Firmeninhaber, die unter dem Druck des NS-Regimes nicht bereits früher verkauft hatten, nach dem 9. November 1938 zur Übergabe ihres Unternehmens weit unter Marktwert gezwungen. Der Kundschaft wurde durch Aushängetafeln und Zeitungsannoncen der Übergang der Unternehmen in „arischen Besitz“ mitgeteilt.