„Judenhaus“ (Adam-Karrillon-Straße 13)

Das NS-Regime schränkte den Lebensbereich der Juden immer stärker ein und erschwerte durch zahlreiche Schikanen und Gesetze ihr tägliches Leben. Seit 1939 wurde die jüdische Bevölkerung in sog. Judenhäusern bzw. Judenwohnungen konzentriert, um sie leichter kontrollieren und später deportieren zu können. Kurz darauf wurden die rheinhessischen Juden zum Umzug in die Stadt Mainz gezwungen, um so das Umland „judenfrei“ zu machen. Die Wohnungstüren mussten von den Bewohnern mit einem schwarzen Davidstern auf weißem Papier gekennzeichnet werden. In den „Judenwohnungen“ waren die Menschen gezwungen, unter unerträglichen Bedingungen auf engstem Raum zu leben. Ab September 1941 musste jedes Zimmer mit mindestens zwei Personen belegt werden.

Im März und September 1942 sowie im Februar 1943 fanden die Deportationen der Mainzer Juden statt. Am helllichten Tag wurden sie aus ihren Wohnungen abgeholt und zunächst in Turnhallen (Feldberg- und Goetheschule) gebracht. In der folgenden Nacht ging es weiter zum Güterbahnhof, wo ein Sonderzug der Reichsbahn bereitstand. Die Transporte führten über Darmstadt in das Lager Piaski bei Lublin, nach Theresienstadt bei Prag oder direkt in die Vernichtungslager. Viele Juden, die von ihrer bevorstehenden Deportation erfahren hatten, begingen Selbstmord. „Magenza“, die traditionsreiche Mainzer jüdische Gemeinde, hatte aufgehört zu existieren. 1945, nach dem Einmarsch der Amerikaner, lebten nur noch etwa 60 Juden in Mainz, die entweder mit Nichtjuden verheiratet waren oder in Verstecken überlebt hatten.

Das Haus Adam-Karrillon-Straße 13, in dem bis zur Deportation über 50 Menschen dichtgedrängt lebten, war nur eines von vielen „Judenhäusern“ in Mainz. In der Walpodenstraße 17 erinnert eine Gedenktafel daran, dass auch dort rund 40 Menschen einquartiert waren. Die Wohnungen im Haus Breidenbacherstraße 25 mussten sich mindestens 122 Bewohner teilen, in der Adam-Karrillon-Straße 54 warteten 43 Menschen auf die Deportation. Die drei Häuser Margaretengasse 19, 21 und 28 sind für über neunzig Personen als letzte Wohnadresse angegeben; auch die Kaiserstraße 32, die Frauenlobstraße 4 und die Taunusstraße 45 zählten zu den „Judenhäusern“. Fast einhundert Menschen wohnten zuletzt in dem kleinen Jüdischen Krankenhaus in der Gonsenheimer Straße 11 (heute: Fritz-Kohl-Straße), das nach dem 10. November 1938 auch als Altersheim diente. Von dort aus wurden die Insassen zusammen mit dem Personal im September 1942 nach Theresienstadt und in andere Konzentrationslager deportiert.