Geburtshaus von Anna Seghers (Parcusstraße 5)

Anna Seghers (1900-1983)

Anna Seghers wurde am 19. November 1900 als Netty Reiling in Mainz geboren. Sie war das einzige Kind des jüdischen Antiquitäten- und Kunsthändlers Isidor Reiling (1868-1940) und seiner Frau Hedwig, geb. Fuld. Der Vater gehörte dem orthodoxen Teil der Mainzer jüdischen Gemeinde an, die Mutter engagierte sich im Vorstand des jüdischen Frauenbundes. Sie wurde 1942 in das Lager Piaski bei Lublin in Polen deportiert und dort ermordet. Netty wurde in der Religion der Eltern erzogen, trat dann aber zwischen 1925 und 1927 aus der jüdischen Gemeinde aus. Die jüdisch-christlichen "Wurzeln" ihrer Herkunft sind in vielen ihrer literarischen Werke erkennbar.

Netty besuchte ab 1907 eine angesehene Privatschule in Mainz, wechselte nach drei Jahren auf die Höhere Mädchenschule und kam 1917 schließlich auf das Gymnasium, auf dem sie 1920 das Abitur erlangte. Danach begann Netty Reiling ein Studium der Philologie und Kunstgeschichte in Heidelberg und Köln, das sie 1924 mit einer Dissertation über "Das Jüdische im Werke Rembrandts" abschloss.

In Heidelberg lernte sie ihren späteren Mann, den ungarischen Philosophen und Kommunisten László Radványi, kennen, den sie nach ihrem Studium nach Berlin begleitete. 1928 trat sie selbst der KPD und dem "Bund Proletarisch Revolutionärer Schriftsteller" (BRPS) bei. Aufgrund ihres politischen Engagements und ihrer jüdischen Herkunft besonders gefährdet, floh sie schon 1933 aus Deutschland und lebte fortan mit ihrem Mann und den beiden Kindern im Exil in Frankreich und Mexiko.

1947 kehrte Anna Seghers zurück und lebte bis zu ihrem Tod im Jahre 1983 in Ostberlin. Mit ihrem literarischen Werk und ihrem gesellschaftlichem Engagement wollte sie das "neue Deutschland" auf antifaschistischer Grundlage aktiv mitgestalten.

Mit dem Roman "Das Siebte Kreuz" (1942) und der Erzählung "Ausflug der toten Mädchen" (1944) setzte die Autorin, eine der bedeutendsten Erzählerinnen des 20. Jahrhunderts und seit 1981 Ehrenbürgerin, Mainz ein unvergängliches literarisches Denkmal.