Christuskirche: Evangelische Kirche und Nationalsozialismus (Kaiserstraße)

Die Christuskirche

Auch in den Mainzer evangelischen Gemeinden gab es schon vor 1933 Gruppierungen der nationalsozialistischen "Deutschen Christen" (DC). Schon 1933 formierte sich Widerstand gegen die Bemühungen der NSDAP, die Kirche gleichzuschalten. Der Mainzer Propst Karl Trabandt, 1933 Pfarrer an der Christuskirche in Mainz, gehörte von Anfang an dem "Pfarrernotbund" und der "Bekennenden Kirche" (BK) an. Gemeinsam mit Theologen aus ganz Deutschland widersetzte er sich einer Umstrukturierung und einem Neuaufbau der evangelischen Kirche nach dem Führerprinzip. 

Nach der Kirchenwahl im Sommer 1933 bestimmte die nun nationalsozialistische Kirchenregierung in ihrer neuen Verfassung die Entlassung von Geistlichen jüdischer Herkunft. Pfarrer, von denen sie wusste, dass sie eine oppositionelle Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus einnahmen und diese in der Öffentlichkeit zeigten, wurden strafversetzt. Die Deutschen Christen dominierten so auch in Mainz das Gemeindeleben in immer höherem Maße.

Am 2. November 1934 wurde in Reaktion darauf an der Christuskirche eine Bekenntnisgemeinde gegründet, die verschiedene Versammlungen in der Kirche und sogar in der Stadthalle veranstaltete. Doch nur eine Minderheit der Mainzer Protestanten gehörte ihr an. Und selbst bei den Mitgliedern der "Bekennenden Kirche" gab es jene, die grundsätzlich den Nationalsozialismus unterstützten, sich aber gegen eine Gleichschaltung der Kirche wandten.

Die Empfänglichkeit des deutschen Protestantismus für den autoritären Staatsgedanken kann u.a. auf die konservative Mentalität eines großen Teils der Protestanten sowie durch die bis 1918 dauernde enge Bindung zwischen Thron und Altar zurückgeführt werden.

Die "Bekennende Kirche", die bereits 1933 aus dem "Pfarrernotbund" entstanden war, vertrat eine Rückbesinnung auf die Heilige Schrift und wandte sich gegen den sogen. "Arierparagraphen", mit dem Pfarrer jüdischer Herkunft ausgeschlossen werden sollten.

Demgegenüber propagierten die "Deutschen Christen" eine Synthese zwischen nationalsozialistischer Weltanschauung und christlichem Glauben. Hitler unterstützte offen die nationalsozialistischen "Deutschen Christen". Ihnen wollte er eine Mehrheit innerhalb der evangelischen Kirche verschaffen und sie zu einem Instrument seiner Politik machen.

Viele Mitglieder der "Bekennenden Kirche", die teilweise auch aktiv an Widerstandsaktionen beteiligt waren, wurden während des "Dritten Reiches" von den Nationalsozialisten verfolgt und umgebracht. In Denkschriften oder Synodalerklärungen protestierten Teile der "Bekennenden Kirche" gegen den Ausschluss der Juden aus dem öffentlichen Leben, gegen den NS-Terror der  "Reichspogromnacht" am 9./10. November 1938 und gegen das verharmlosend als "Euthanasie" bezeichnete Mordprogramm gegen geistig Behinderte. Doch versäumte es auch die "Bekennende Kirche", ein klares Wort gegen die "Endlösung der Judenfrage" zu sprechen.